25 km/h

Christian (Lars Eidinger) und Georg (Bjarne Mädel) sind zwar Brüder, haben aber seit 30 Jahren keinen Kontakt mehr. Erst auf der Beerdigung ihres Vaters sehen sie sich wieder und beschließen nach einigem Streit eine Reise zu unternehmen die sie schon als Kinder geplant haben: mit zwei Motorrollern vom Schwarzwald bis nach Rügen …

Zwei Mitvierziger die einfach mal eine Auszeit von ihrem gescheiterten Leben brauchen rollen auf zwei alten Mopeds durch die Gegend – das ist schon die ganze Handlung für diesen typischen „Episodes of the Road“ Film. Den Figuren passieren Dinge, sie begegnen Menschen und führen hier und da kleine Dialoge, meist beim Essen – das sind oftmals schöne und gute Momente in sich, aber wie wahllos zusammengesteckte Komponenten wenn es darum geht wirklich eine Geschichte an den Mann zu bringen. Ebenso hat man bei den wahllos zusammengesammelten Gastdarstellern oftmals das Gefühl daß die nur für einen Drehtag am Set waren und so schnell wie möglich so viel wie möglich abgearbeitet haben. Ordentlich gespielt ist das alles, ebenso absolut kinotauglich in Szene gesetzt mit wundervollen Landschaftsaufnahmen und von den beiden Hauptdarstellern auch wunderbar getragen – trotzdem hat man hinterher mitunter das Gefühl ein schickes Nichts geschaut zu haben.

Fazit: Solides Road Movie das viele Fragen offen läßt, aber passabel unterhält!

Johnny English – Man lebt nur dreimal

Johnny English (Rowan Atkinson) hat seine Karriere als Geheimagent beendet und arbeitet nun als Lehrer. Als ein Hacker aber alle britischen Spione enttarnt wird Johnny reaktiviert um die Schuldigen zu finden – verheddert sich aber in seiner üblichen Form an allen möglichen Hindernissen …

Ich hab nicht drauf gewartet: ich hab zu ihren jeweiligen Zeiten die ersten beiden Filme gesehen, jeweils einmal und fands sie nicht nennenswert lustig – weder den britischen Humor noch die Grimassen von Atkinson. Obendrein ist mir die Figur zu undefiniert: in den einen Szenen ist English cleverer als jeder andere und löst ein Problem mit unfassbarer Coolness, in einer anderen ist er so doof daß er nichtmal mitkriegt was er um sich herum auslöst. Dieser stetige Wechsel führt dazu daß ich die Figur nicht wirklich erfasse und chronisch unsympathisch finde, erst Recht wenn diese in der Anfangsszene versehentlich und ihnen Gewissensbisse vier Menschen tötet. Die Handlung an sich ist eine sagenhaft überraschungsfreie Blaupause in der nicht geringste Wenund wartet, die Gags sind stetig zum Schmunzeln, aber von ganz wenigen Ausnahmen nie zum Lachen. Emma Thompson als genervte Chefin hat ein paar gute Momente, aber auch diese sind lediglich kleine, nette Momente. Wer die anderen Filme mochte kann hier sicherlich mal einen Blick riskieren, es kann aber passieren daß man nicht einmal lacht.

Fazit: Alberne Kalauernummer mit selten treffenden Pointen!

Rating: ★★☆☆☆

Die Biene Maja 2 – Die Honigspiele

Die kleine Biene Maja hofft auf ihre Chance an den bevorstehenden Honigspielen teilzunehmen – allerdings wird statt dessen die Hälfte der Honigvorräte von Majas Stamm eingefordert. Da dies den Stamm entscheidend schwächt will Maja mit ihrem Freund Willi (Jan Delay) nach Summtropolis reisen um die dortige Kaiserin umzustimmen …

Ich bin aus dem Alter raus Biene Maja noch aktuv zu gucken; und viel mehr außer Maja und Willi hab ich eh nicht mehr vor Augen, muß aber sagen daß ich den Biene Maja Animationsfilm auf ganzer Linie sympathisch und zufriedenstellend fand. Daher hab ich ein Sequel nicht extra herbeigesehnt, fand es aber doch nett daß eins gemacht wurde. Und es kam genau das was ich vermutet habe: ein buntes, fröhliches Kinderfilmchen, hier und da etwas laut, aber mit Witz und den ganzen Kinderfilmbotschaften wie ein Hohelied auf Teamwork, Freundschaft ect. Technisch paßt die Geschichte ebenso ganz gut, daher: wer Kinder beschäftigen will macht hiermit rein garnichts falsch, wer sich sonstwie in diesen Film verirrt könnte es auch schlechter treffen.

Fazit: Bunter und schöner Kinderfilm, herzerfrischend fröhlich!

Der Vorname

Stephan (Christoph Maria Herbst) und seine Frau Elisabeth (Caroline Peters) laden zu einem Abendessen in ihrem Haus ein zu dem René (Justus von Dohnányi) und Thomas (Florian David Fitz) und dessen schwangere Freundin Anna (Janina Uhse) erscheinen. Die werdenden Eltern bringen aber Unfrieden in die Runde als sie verkünden daß sie ihr Kind Adolf nennen möchten …

Dies ist wohl ein Remake eines französischen Films der auf einem Theaterstück basiert – das legt schon mal fest daß man keine wirkliche Bilderflut erwarten kann. Es ist wirklich ein Film der nahezu komplett an einem Abend in einer einzigen Wohnung spielt und einen anderthalb stündigen Dauerdialog zwischen fünf Figuren beinhaltet. Dabei ist die titelgebende Namensdiskussion garnicht das einzige Thema, sondern lediglich ein Funke an dem sich all der Frust aller Personen entlädt, und so kommen über den ganzen Film stetig weitere Punkte auf – und jeder hat irgendwas was ihn an den anderen stört und diese Dinge werden dann hemmungslos rausgelassen. Das wird verkörpert von einer ganzen Armada an großartigen Darstellern die mit ansteckender Spielfreude agieren und geschliffene Dialoge ohne Ende bringen. Letztlich ist dies ein Film in dem einfach mal ein paar Hauptfiguren alle Masken fallen lassen und volle Lotte alles rauslassen – ich finde es schade daß das Namensthema nur ein Teil des Ganzen ist, hatte aber bis zur letzten Minute immensen Spaß daran.

Fazit: Pointierte Dialoge, bissige Spitzen und ganz viel Gelächter!
Rating: ★★★★☆

Das schweigende Klassenzimmer

Die aus der DDR stammenden Abiturienten Theo (Leonard Scheicher) und Kurt (Tom Gramenz) sehen in einem Kino in Westberlin Bilder vom niedergeschlagenen Volksaufstand in Budapest. Mit ihren Mitschülern Lena (Anna Lena Klemke), Paul (Isaiah Michaelski) und Erik (Jonas Dassler) beschließen sie im Unterricht eine Schweigeminute für die Opfer einzulegen. Die harmlose Aktion hat ungeahnte Folgen …

Das ist natürlich ein Titel den man aus der heutigen Zeit nahezu ungläubig schaut: eine Handvoll Schüler zeigen freies Denken und begehen einen völlig harmlosen Protestakt der es aber nach sich zieht daß ihr ganzes Leben den Bach runtergeht und in furchtbaren Folgen für alle Enden könnte. So dramatisch die Lage auch für die Figuren sit, so unscheinbar ist der Film, zumindest in seiner Aufmachung. So gesehen gibt’s ja kaum mehr als eine Handvoll Jugendlicher die in größtenteils Klassenzimmerszenen oder auch in kleinen Hinterkammern reden. Aber es ist eine unglaubliche Bedrohung in der Luft und der Druck lastet mehr und mehr auf den Figuren – und wird für die Zuschauer ebenso langsam spürbar. Die unglaublichen Folgen einer kleinen Geste resultieren in einem hoch spannenden Drama das noch dadurch verstärkt wird daß es eine wahre Geschichte ist.

Fazit: Schülerdrama das zum Polithriller wird – sehr hart und mit stetig steigender Spannung!

Lady Bird

Christine McPherson (Saoirse Ronan) stand immer im Schatten ihrer dominanten Mutter Marion (Laurie Metcalf) und will nur ihrer Heimatstadt entfliehen. In ihrem letzten Schuljahr visiert sie ein College an der Ostküste an und lernt obendrein zwei interessante Jungs kennen, Danny (Lucas Hedges) und Kyle (Timothée Chalamet) …

Es gibt manchmal Filme die bei der Kritik unantastbar sind; dieser hier war bei Kinostart ein solcher: ich kann mich an keine einzige negative Kritik erinnern. Ich kann auch verstehen wo das herkommen mag, aber kann mich dem nicht restlos anschließen: es ist die Geschichte eines Mädchens die aus ihrem Heimatstädtchen entlfiehen will, behandelt ein paar kleine Konflikte und Probleme die sie in ihrem schulischen und menschlichen Umfeld hat – und dann setzt auch schon der Abspann ein. Dabei quillt die Marke „Independent Film“ aus aus jeder Pore und mit Greta Gerwig hat man ja auch eine Regisseurin und Drehbuchautorin die gerade für die etwas speziellen Filme steht. Und unsympathisch ist dieser hier kein Stück, ebensowenig langweilig oder schlecht – aber der Funken ist irgendwie auf mich nicht übergesprungen. Ich kann trotzdem verstehen daß dieser Titel so vielen Leuten scheinbar so viel gegeben hat – daher lohnt sich ein Blick definitiv.

Fazit: Etwas eigensinniger Titel mit sehr emotionalen Momenten!

Rating: ★★★☆☆

Abgeschnitten

Rechtsmediziner Paul Herzfeld (Moritz Bleibtreu) findet bei einer Leiche einen Zettel mit der Handynummer seiner Tochter Hannah (Barbara Prakopenka). Diese wurde von Jan Erik Sadler (Lars Eidinger) entführt und Paul muß nach Helgoland gelangen um Hannah zu retten. Dazu braucht er aber die Hilfe von Comiczeichnerin Linda (Jasna Fritzi Bauer) und Hausmeister Ender (Fahri Yard?m) …

Eigentlich großartige Voraussetzungen: der Trailer vermittelte eine immens gute und düstere Stimmung, die Besetzung mit Moritz Bleibtreu, Jasna Fritzi Bauer und Lars Eidinger ist hochkarätig und die Vorlage stammt vom populären Thrillerautor Sebastian Fitzek. Und man merkt am Film daß Potential vorhanden war, allerdings stammt dies aus einer 400 Seiten langen Vorlage die für den Film merklich zusammengekürzt werden mußte. Das resultiert in einer sehr spannenden ersten Hälfte in der insbesondere die krasse Situation in der ein Laie eine Leiche sezieren muß für großartige Spannung sorgt – aber wenn dann in der zweiten Hälfte die einzelnen Entwicklungen sieht, die Hintergründe und was dann wirklich als wichtig übrig bleibt verliert man schnell den Faden. Von merkwürdigen Schauplatzwechseln zu zahlreichen unglaubwürdigen Momenten und Plotpoints die nutzlos verpuffen – alles wird nur von den Darstellern und der Atmosphäre zusammengehalten. Dabei bleibt die Scheußlichkeit und die Anspannung bis zum Ende ungebremst erhalten, allerdings ohne daß einem die Figuren ernsthaft nahegehen und es fällt alles restlos auseinander wenn man anfängt das gezeigte zu hinterfragen.

Fazit: Effektive Spannung und Atmosphäre, aber eine unklare Handlung und ein schlecht aufgebautes Drehbuch!

Rating: ★★☆☆☆

The Guilty

Asger Holm (Jakob Cedergren) war früher Polizist, ist aber nun in einem Call Center. Dort empfängt er den Anruf von Iben (Jessica Dinnage) die gerade enführt wird – und er versucht ihr zu Hilfe zu kommen …

Weniger geht wirklich nicht: ein Mann sitzt in einem Raum und telefoniert, in diesem Fall ein Angestellter in einer Notrufhotline. Der ist eigentlich voller Polizist und voller Tatendrang und wird in einen Sachverhalt verwickelt in den er sich gerne mehr involvieren würde, lehnt sich dabei auch mitunter ganz schön weit aus dem Fenster. Ich fand es klasse weil man so sehr in die Lage der Hauptfigur versetzt ist: man hat nur was man aus dem Hörer hört, sieht nichts, hört nichts und kommt aufgrund der Indizien zu den gleichen Schlußfolgerungen wie die Hauptfigur – daß deren Ansichten mitunter falsch sind und später auch zu falschen Schlüssen führen wird dadurch absolut nachvollziehbar. Und dank dem zwar unsympathischen, aber greifbaren Helden entstehen 80 Minuten pures Spannungskino daß zwar keine optischen Schauwerte hat, aber eine durchgehende Spannungskurve.

Fazit: Thrill pur mit krassem Twist – minimalistisch, aber effektiv!

Stronger

Beim Bombenanschlag auf den Bostoner Marathon im Jahre 2013 wird Jeff Bauman (Jake Gyllenhaal) verletzt und landet im Rollstuhl. Zwar hilft er entscheidend bei der Aufklärung mit, muß sich aber mit den neuen, furchtbaren Lebensumständen arrangieren …

Hier macht wohl der Funken Realität den Unterschied: die Geschichte ist wohl relativer Standard für ein Behindertendrama, zumindest auf rein filmische Sicht beschränkt. Ein Mann verliert durch schlimme Umstände seine Beine und der film dokumentiert wie er sich mit der Situation arrangiert und auch sein Umfeld davon betroffen ist. Daran ist nichts neu, nichts überraschend, aber es ist wohl auch keine Story die voller Twists ect. stecken kann oder könnte. Jake Gylenhaal spielt die Rolle des sympathischen Chaoten auch sehr gut, in den emotionalen Szenen und insbesondere in einer Rückblende die ihn nach dem Attentat zeigt wächst er über sich hinaus. Das Besondere an dieser ganzen Geschichte ist eben: die Nummer ist wahr. Ich kann natürlich nicht sagen wo hier exakt die Grenze verläuft, wo das die Wahrheit ist und wo filmisch beigeschnitten wurde, aber man kann sich eigentlich nicht beklagen: 110 Minuten Dramakino mit gelegentlichen Lächelmomenten, optimistischer Botschaft und für den Amerikaner ist es sicherlich ein wenig Balsam.

Fazit: Standard-Behindertendrama mit traurigem realen Background!

The Humanity Bureau

In naher Zukunft große Bereiche der USA durch die Folgen der globalen Erwärmung unbewohnbar geworden. Dabei regelt das „Humanity Bureau“ die Umsiedlung der Menschen in sichere Bereiche. Als aber Mutter Rachel Weller (Sarah Lind) und ihr kleiner Sohn Lucas (Jakob Davies) nach„New Eden“ abgeschoben werden sollen protestiert sie bei ihrem Sachbearbeiter Noah Kross (Nicolas Cage) ..

Das übliche Spiel: Nicolas Cage über nimmt die Rolle in einem kleinen, direkt fürs Heimkino produzierten Film. Diesmal einer der zumindest im Ansatz Potential hat: es spielt in der Zukunft und geht um Resourcenknappheit, Deportation – also Themen die eine gewisse Brisanz inne haben. Leider aber nicht das Budget um daraus wirklich was zu machen / formen. Statt dessen begnügt sich der Film damit leere Gegenden, Wüsten oder leerstehende Lagerhallen als Kulissen zu nehen und jagt Cage it Frau und Kind einmal durch diese Szenerie. Viel mehr gibt’s nicht, ebenso hat Cage hier wieder mal einen sterilen Part den er solide angeht, aber eigentlich keine Chance hat markante Punkte zu setzen. Daher: durchweg verzichtbar.

Fazit: Langweilig und aussagelos, dabei hat die Grundthematik durchaus Potential – und Cage ist die Erwähnung nicht wert.

Rating: ★☆☆☆☆